Bernhard Kathan: vom Verlust und gesprengten Panzer

23-10-2006 — Abgelegt unter: unsortiert  

Wieland Elfferding: “Da kommt nichts weg
Auszug:

Überhaupt noch eine Vorstellung vom kleinbäuerlichen Leben wachzurufen, geht nur, wenn unser Panzer aus Vorurteilen gesprengt wird, - so das Rezept. Der neonfarben gepunktete Badeanzug, bei der Heumahd getragen, brüskiert die Vorstellung vom Hochgeschlossen-Prüden. Die Gelenkswelle bietet Anlass, über die Offenheit gegenüber technischen Neuerungen nachzudenken. Und der mit rotem Stift nummerierte Loszettel verweist auf die Verteilung von Gütern und Rechten nach einem Gottesurteil. Die dörfliche Gesellschaft kannte als sozialen Kitt, neben Ritualen und Zwängen, auch Vorstellungen von Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich, die den heutigen kalkulierenden Privategoismus beschämen.

Bernhard Kathans Nachruf auf die kleinbäuerliche Kultur ist keine kulturgeschichtliche Abhandlung und kein Ausstellungskatalog, auch wenn er bei gelegentlichen Präsentationen seiner Sammlung durchaus als solcher fungieren kann.* Dazu kommen zu häufig provozierende Urteile und Meinungsäußerungen herein. “Was für eine Schande, Kühe dem Funktionskreis von Maschinen überantwortet zu haben, Melkrobotern oder Computerprogrammen, die entscheiden, wann eine Kuh als schlachtreif einzustufen ist. Ein beängstigendes Bild, spiegelt es doch, wie der Mensch sich selbst begreift.” Ganz gegen jede Musealisierung zieht Kathan immer wieder wenige, starke Linien in die Gegenwart und zeigt, inwiefern wir die bäuerliche Vergangenheit nicht ohne Verlust verdrängt haben. Was uns am Bauernhof schmutzig und unwohnlich erscheint, ist der heute verlorene Zusammenhang von Leben und Tod. Darauf laufen viele der ein, zwei Seiten langen Studien hinaus, welche den Abbildungen beigegeben sind.

2 Kommentare zu “Bernhard Kathan: vom Verlust und gesprengten Panzer”

  • *sib.
    26-10-2006 um 17:06
    1

    Onno,

    herzlichen Dank für diesen Link! Interessante Publikationen, und eine tolle Rezension: ich fühlte mich sofort in die Welt meiner Kindheit und Jugend versetzt. Die Ausstellung guck ich mir an! Wenn es möglich ist, mach ich Bilder und schick dir welche. Ich berichte.

    Hoffe, bei euch alles wohlauf.

    Bis denne:
    Sibylle

  • Onno
    26-10-2006 um 19:39
    2

    Aber gerne doch! ;-) Au ja, mach ein paar Bilder, das wäre fein!

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