Transparency und die Anwaltskeule
Da gibt es eine Firma mit hohen ethischen Grundsätzen und eine Frau, die über Erlebtes, welches im Zusammenhang mit dieser Firma steht, schreibt und dabei ihrer Enttäuschung Ausdruck gibt. Das darf heutzutage in D scheinbar nicht mehr sein. Meinungsfreiheit nur noch für diejenigen, die es sich leisten können?

Wie passt es da, Menschen per Anwälten verbieten zu wollen, die Verhältnisse bei Transparency Deutschland transparent zu machen?
Roland:
Eine Organisation, die von sich selbst behauptet, “Partizipation an der Zivilgesellschaft” gehöre zu den eigenen “Grundprinzipien” und unter anderem die Forderung aufstellt, “Meinungsfreiheit” müsse “für den Einzelnen erfahrbar bleiben”, droht also, sobald sie sich selbst kritisiert sieht, mit der juristischen Keule, statt eine solche Kritik schlicht auszuhalten oder aber sich mit ihr argumentativ auseinanderzusetzen.
Der beanstandete Text von Moni ist hier einzusehen, ihre nachträgliche Beschreibung des Ablaufs steht hier. Alles Weitere bei Roland, incl. weiterführender Links. By the way, man sollte aus diesem Potential (jetzt immerhin 7.500 Euro!) lernen und einen Antiabmahnfonds gründen. Ist ja ein echter Saustall zugange im Lande.
Update 30-03: Mittlerweile hat sich in der Sache eine Menge getan. Viele, sehr viel Worte wurden geschrieben, Moni hat nun Rechtsbeistand und TI-D hat erklärt, nichts tun zu wollen; außerdem sind inzwischen die “etablierten Medien” (was für ein Unfug, Weblogs sind inzwischen ebenso als Facette des medialen Spektrums etabliert) mit Beiträgen verschiedener Qualität online.
Was bleibt, ist die Gewißheit, daß sich verschiedene Mitarbeiter von Transparency International in einer Art verhalten haben, die in deutlicher Diskrepanz zum bemühten Image stehen. Und es bleibt die Gewißheit des nächsten Falles. Vielleicht wird dann eine Firma im Spiel sein, die eh ein Arschimage hat oder sich nicht darum schert, die entstehenden Wellen werden dann deutlich kleiner ausfallen. “Bloggen in dauernder Angst vor Abmahnungen” kann kein befriedigender Dauerzustand sein. Mir fehlt da echte Klugheit und Güte auf direktem Wege als erstes wirksames Mittel zur Konfliktbewältigung.

27-03-2006 um 01:46
Wo ist der Spendenaufruf ?
ICH möchte diese “Totenanzeige” in der Bild sehen…
Bitte eine Kontonummer..bitte..bitte
27-03-2006 um 10:07
Helmut, so etwas sollte gründlich vorbereitet sein, die Idee ist ja auch nicht neu (Stichwort: Bloggerversicherung). Ich empfinde die Idee aber sehr symphatisch, weil sich jeder abmahnende RA dann sicher sein kann, unabhängig von der jeweiligen finanziellen Situation der/des Betroffenden ein auf profunden Kenntnissen beruhendes Feedback zu bekommen. Um so etwas auf sichere Beine zu stellen, müßten Blogger und Juristen zusammen eine Grundlage ausarbeiten und das Ergebnis auf hoch frequentierten Weblogs vorstellen. Könnte man ja mit einem Spendentopf verquicken.
Du kannst den “Nachruf” gern als Anzeige schalten! ;-)
27-03-2006 um 18:52
Da fällt mir nur das berühmte Ben Gurion-Zitat ein: “Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte !” Und was die Damen und Herren von Transparency betrifft: “DIE GEDANKEN SIND FREI…..” - kein Anwalt kann sie erraten…. Vor Scham in den Boden versinken sollten diese Rechtsverdreher, die sich für so etwas hergeben.
Ebi
27-03-2006 um 22:29
das war max liebermann 1933, der diesen spruch tat. nichtsdestotrotz ist er absolut zutreffend.
dazu fällt mir auch noch mark twain ein:
“wir lieben die menschen, die frei heraussagen, was sie denken.
sofern sie das gleiche denken wie wir.”
soviel zur in letzter zeit ach so beschworenen meinungsfreiheit…