Kürzlich nachts, als fast alles schlief, startete ich zu einer Wattwanderung. Beim ersten Schritt in den Schlick blitzten ein paar kleine Lichtpunkte auf. “Oh, fein!” dachte ich, denn die kleinen Lichter sind trotz ihrer temperaturlosen Natur durchaus in der Lage, dem nächtlichen Wanderer das Herz zu wärmen.
Mal etwas mehr, mal etwas weniger - aber immer waren sie da, die kleinen Dinoflagellaten mit ihrer Biolumineszenz. Sie und ihr Treiben wirken magnetisch, denn oft ertappte ich mich dabei, über längere Zeit ausschließlich die wundersamen Leuchtspuren zu meinen Füßen zu beobachten. Oh, bist Du vom Kurs abgekommen? Die in dieser dunklen Nacht ohne Sternenlicht mageren Fixpunkte gecheckt - und dann doch wieder zum Boden geschaut.
Durch einen schwachen helleren Schimmer kündigt sich der Hauptpriel an und ich beschließe, noch ein Stück Richtung Wasserscheide zu laufen, da ich keine Lust auf einen nassen Hintern habe. Und halte beim nächsten Schritt jäh inne. Jetzt waren es keine einzelnen Lichtpunkte mehr, sondern der Wattboden leuchtete in einem Umkreis von einem Meter hell auf, bei jedem Schritt mit blitzartiger Geschwindigkeit. Klack, klack! Wie wenn man einen Lichtschalter betätigen würde, stand ich bei jedem Schritt in flüssigem Gold. Stehenbleiben. Die goldene Scheibe wird körnig, verschwindet und hinterläßt für einen kurzen Moment noch einzelne Leuchtpunkte. Rennen! Beim schnellen Umsehen sehe ich meine Tritte, goldene Scheiben im nächtlichen Watt, die schnell verschwinden. Beim normalen Laufen kann ich jetzt nicht anders und lasse mich ganz in den Bann des goldenen Lichts ziehen. Ob Göttin Venus, wie C.F. Hebbel meinte, für diese Erscheinung verantwortlich ist? Wissenschaftler werden es anders sehen, mir waren in diesem Moment die tieferen Zusammenhänge reichlich egal, denn jeder rationale Gedanke hätte den Zauber zerstört.
Nach dem Queren des Priels war es übrigens wie gewohnt: einzelne Lichtpunkte, nicht mehr.